Mit The Woman in Suite 11 kehren wir zurück zu Lo Blacklock, einer Figur, die mir schon nach wenigen Seiten wieder sehr präsent war. Lo versucht nach den traumatischen Ereignissen ihrer Vergangenheit – die sie bis heute begleiten – endlich wieder einen Neuanfang zu wagen. Als Reisejournalistin möchte sie zurück ins Berufsleben, doch Selbstzweifel und alte Ängste stehen ihr dabei immer noch im Weg. Umso hoffnungsvoller wirkt die Einladung zur Neueröffnung eines exklusiven Luxushotels am Genfer See. Ein Neuanfang in traumhafter Kulisse – zumindest auf den ersten Blick.
Das Setting hat mir von Anfang an extrem gut gefallen. Das luxuriöse Hotel direkt am Wasser, die elegante Atmosphäre und die abgeschiedene, fast schon klaustrophobische Stimmung bilden eine perfekte Grundlage für eine geheimnisvolle Geschichte. Lo hofft vor allem darauf, ein Interview mit dem exzentrischen Hotelbesitzer Marcus Leidmann zu ergattern, was ihrer Karriere einen echten Schub geben könnte.
Als Lo eines Nachts überraschend in Marcus’ Suite eingeladen wird, ist sie zwar skeptisch, lässt sich aber von ihrer Neugier leiten. Doch anstatt des Hotelbesitzers trifft sie dort auf eine fremde Frau, die behauptet, seine Geliebte zu sein – und die fest davon überzeugt ist, in Lebensgefahr zu schweben. Ab diesem Moment verändert sich die Geschichte spürbar. Misstrauen, Unsicherheit und das Gefühl, beobachtet zu werden, ziehen sich durch die Seiten und entwickeln sich langsam zu einem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel.
Es handelt sich hierbei um den zweiten Band rund um Lo Blacklock. Den ersten Teil habe ich nicht gelesen, was aber absolut kein Problem war. Wichtige Hintergrundinformationen werden gut eingebaut, sodass man problemlos in die Geschichte findet und der Handlung jederzeit folgen kann. Ich hatte nie das Gefühl, entscheidende Details zu verpassen.
Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass mir der Anfang für einen Thriller etwas zu ruhig war. Die Spannung baut sich sehr gemächlich auf und es dauert eine ganze Weile, bis wirklich Nervenkitzel entsteht. Wer einen durchgehend actionreichen Thriller erwartet, könnte hier enttäuscht sein. Für mich fühlte sich das Buch eher wie ein spannender Roman mit Thriller-Elementen an, der stark auf Atmosphäre und psychologische Spannung setzt.
Trotzdem konnte mich das Buch insgesamt gut fesseln. Besonders Lo als Hauptfigur fand ich interessant, da sie sehr menschlich, verletzlich und realistisch dargestellt wird. Auch die luxuriöse, aber gleichzeitig bedrohliche Hotelkulisse trägt viel zur Stimmung bei. Gegen Ende zieht das Tempo dann deutlich an, und die Spannung nimmt spürbar zu.
The Woman in Suite 11 ist kein klassischer Pageturner von der ersten Seite an, überzeugt aber mit einer starken Atmosphäre, einer interessanten Protagonistin und einer langsam wachsenden, psychologischen Spannung. Für mich ein solides, gut lesbares Buch.
⭐⭐⭐⭐
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