REZENSION
Herausgeber : Lübbe
Erscheinungstermin : 31. März 2023
Auflage : 1. Aufl. 2023
Sprache : Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 448 Seiten
ISBN-10 : 3404188896
ISBN-13 : 978-3404188895
Lesealter : Ab 16 Jahren
Zum Buch
Berlin, 1908. In der Mission am Schlesischen Bahnhof finden die Verzweifelten, die mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Großstadt strömen, Schutz. Hier führt das Schicksal auch zwei junge Frauen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die mittellose Abenteuerin Natalie ― und Alice, die aus gutem, großbürgerlichem Hause stammt, sich aber mit der Rolle der behüteten Haustochter nicht zufriedengibt. Gemeinsam helfen sie, wo sie nur können. Dabei ist Natalies zupackende Art Gold wert, denn die Menschen vertrauen ihr. Doch bald zeigt sich, dass nicht alle mit dem wohltätigen Tun einverstanden sind. Irgendjemand sieht seine Geschäfte mit den Schutzbedürftigen gestört .
Meine Meinung
Die Bahnhofsmission: Aller Tage Hoffnung hat mich von der ersten Seite an tief berührt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Der Roman entführt ins Berlin des Jahres 1908, eine Zeit, in der viele Menschen voller Hoffnung in die Großstadt strömten – und dort oft mit Armut, Einsamkeit und Ausweglosigkeit konfrontiert wurden. Gerade der Schauplatz der Bahnhofsmission am Schlesischen Bahnhof verleiht der Geschichte eine besondere Intensität, denn hier treffen Verzweiflung und Hoffnung unmittelbar aufeinander.
Besonders beeindruckt haben mich die beiden Hauptfiguren Natalie und Alice. Natalie ist mittellos, mutig und lebensnah, eine Frau, die anpackt, ohne lange zu überlegen. Alice dagegen stammt aus gutem, großbürgerlichem Hause, fühlt sich jedoch in der Rolle der gehüteten Tochter gefangen und sehnt sich nach einem selbst bestimmten Leben. Obwohl die beiden Frauen aus völlig unterschiedlichen Welten kommen, verbindet sie ihr großes Herz und der Wunsch, anderen zu helfen. Gerade diese Gegensätze machen ihre Freundschaft so glaubwürdig und berührend.
Ich habe Natalie sofort ins Herz geschlossen. Ihre zupackende Art, ihre Ehrlichkeit und ihr Mut sorgen dafür, dass die Menschen ihr vertrauen. Gleichzeitig zeigt der Roman sehr einfühlsam, wie schwer und manchmal auch gefährlich es ist, Gutes zu tun. Denn nicht jeder sieht das wohltätige Engagement der Bahnhofsmission gern. Nach und nach wird deutlich, dass dunkle Gestalten ihre skrupellosen Geschäfte bedroht sehen – und das verleiht der Geschichte eine spannende, teilweise beklemmende Atmosphäre.
Was mich besonders bewegt hat, war, wie nah mir die Schicksale der Menschen gegangen sind. Viele Szenen haben mich nachdenklich gemacht, einige haben mich richtig mitfühlen lassen, und bei manchen Momenten habe ich ehrlich mit Natalie und Alice gelitten. Die Autorin schafft es, das Leid, aber auch die kleinen Lichtblicke so lebendig zu schildern, dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein.
Für mich ist dieser Roman weit mehr als nur eine historische Geschichte. Es ist ein Buch über Menschlichkeit, Mut, Freundschaft und Hoffnung – über Frauen, die sich nicht mit den Grenzen ihrer Zeit abfinden wollen. Die Mischung aus Emotion, Spannung und historischem Hintergrund ist sehr gelungen.
Ich habe das Buch mit einem warmen, aber auch nachdenklichen Gefühl beendet und freue mich jetzt schon sehr auf den zweiten Band. Dies ist eine Geschichte, die im Herzen bleibt und zeigt, wie wichtig Mitgefühl und Zusammenhalt sind – damals wie heute.
⭐⭐⭐⭐⭐
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